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Archiv 6/2017

Lyrikfest Gegenstrophen 2017
mit Nora Gomringer, Marco Grosse, Annette Hagemann, Ulrich Koch & Klaus Merz, Marina Müller, Sophie Radde & Daphne Weber

Heiko Postma
"Weibes Weh mit Verwund´rung wägend"

Prosanova | 17
Festival für junge Literatur

Frank Trentmann
"Herrschaft der Dinge. Die Geschichte des Konsums vom 15. Jahrhundert bis heute"

Archiv / Programmarchiv / 15.06.2017 Heiko Postma


Programm-Archiv


Donnerstag, 15.06.2017, 19.30 Uhr // Literaturhaus Hannover
Bloomsday 2017

Heiko Postma
"Weibes Weh mit Verwund´rung wägend"

Musik: Robert Paterson

Das wird eine schwere Geburt diesmal - zumindest für die arme Mrs. Purefoy, die im "National Maternity Hospital" in der Dubliner Holles Street in den Wehen liegt, während Leopold Bloom, unser Held des Tages, der eigentlich gekommen ist, um die alte Freundin zu besuchen, in einem Kreis zechender Medizinstudenten hängenbleibt, die lautstark lästerliche Reden schwingen und sich, den "Besänftigungen" Mr. Bloom´s zum Trotz, über alles lustig machen, was mit Empfängnis und Geburt (oder deren Verhütung) zusammenhängt.

Der Kenner sieht: Am 14. Bloomsday im hannoverschen Literaturhaus geht´s um das 14. Kapitel von Joyce‘s Ulysses, betitelt Die Rinder des Helios, das sich wiederum auf den 12. Gesang der Homer‘schen Odyssee bezieht: Darin landet Odysseus auf der Insel Trinakia, wo seine Leute, all seinen Mahnungen zuwider, das Sakrileg begehen, die dort grasenden heiligen Kühe des Sonnengottes Helios zu schlachten, was Zeus dann mit einem fürchterlichen Donnerwetter und einem Sturm bestraft, den außer Odysseus keiner überlebt.
Und so bricht in der Nacht des 16. Juni 1904 auch über Dublin ein gewaltiges Gewitter herein, das die lästerlichen Medizyniker zeitweise in Angst versetzt, ehe sie, nachdem Mrs. Purefoy einen strammen Jungen geboren hat, grölend und singend in den nächsten Pub aufbrechen.

Der Handlungsablauf dieses Kapitels ist nicht zufällig in 40 Passagen gegliedert, die den 40 Wochen einer Schwangerschaft entsprechen und zugleich der "embryonalen Entwicklung" der englischen Sprache und Literatur folgen: von den Interlinear-Übertragungen aus dem Lateinischen, übers kräftig alliterierende Alt- und Mittelenglische bis zur Gegenwart - was einige wunderbare Pastiches des Sprachkünstlers Joyce ergibt (und den Übersetzer vor ziemliche Probleme stellt…).

Wie stets am Bloomsday trägt Heiko Postma das betreffende Kapitel vor und kommentiert es kundig. Dazu bringt Robert Paterson, unser Barde aus Belfast, die im Text angespielten Songs musikalisch zur Wirkung, und es wird natürlich auch wieder die bekannten irischen Stärkungsmittel geben!

Heiko Postma, geb. 1946 in Wesermünde/Bremerhaven, studierte Germanistik, Philosophie und Politik und promovierte 1975 über Arno Schmidt. Er veröffentlicht Biografien, Kritiken und Rundfunk-Features, zudem Vorträge und Übersetzungen und lebt als freier Autor in Hannover.

Robert Paterson, geb. 1949 in Belfast, studierte Philosophie und Sozialpädagogik. Er lebt seit 1974 in Höxter, ist als Sozialpädagoge tätig und Mitglied des Folkduos Paterson & Paterson.

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