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Di. 15.08.
Sommerpause
Gute Aussicht: Neues Programm ab August!


Sa. 19.08. | 19.30 Uhr
Musik 21 Festival - „Ums Wort“: Mara Genschel
„Büro Dilletantisme“


Fr. 25.08. | 17.00 - 18.30 Uhr
"Gemeinsam lesen" || AUSGEBUCHT!
Text-Gespräche im Literaturhaus


Mi. 30.08. | 19.30 Uhr
Klartext: Gabriele von Arnim und Evelyn Roll
„Was tun - Demokratie versteht sich nicht von selbst“


9/17
Programm

Editorial

Gipfeltreffen

Neulich musste ich nach Lillehammer. Ich bin nur einmal im Jahr beruflich im Ausland. Diesmal eben Lillehammer. "Ski heil!" rief Dr. Gronius mir zu, doch es war Sommer. Die Sprungschanze konnte ich aber vom Hotelvorplatz aus sehen. Auf dem stand eine große Skulptur von Miffy, dem Dick-Bruna-Häschen, das in Wahrheit Nijntje heisst und ein Kaninchen ist. Jedenfalls ersetzt es einen neobarocken Polyresin-Brunnen. Das konnte man daran erkennen, dass Miffy im neobarocken Becken stand und aus beiden Augen Wasser sprühte. "The bunny is crying all the time.", sagte ich zu einem rauchenden Tagungsteilnehmer, der dazu nickte und "Modern art." sagte. Wir betrachteten eine Welie andächtig das wasserweinende Kaninchen am Fuss des Olympiaparks, dann tagten wir weiter. Nachts verschickte ich Bilder von Miffy an alle meine Freunde, die was von Kunst oder von Miffy verstehen.

"Wenn Du in Lillehammer bist", sagte meine Schwester, „bin ich auf der Zugspitze." "Berg frei!" würde Dr. Gronius rufen, aber ich hatte noch Fragen. "Da haben wir eine Forschungsstation und aparter Weise nun auch ein Vorstandstreffen.", war die Antwort. Aber immerhin kann man die Bergbahn dahin nehmen.

Tja, wieso eigentlich nicht? Forschung tut Not. Und bestimmt freut sich das Zugspitzenteam über Besuch. So standen wir also bei jeweils erfrischenden 12 Grad, 1.500 Kilometer (as the Skispringer flies!) voneinander entfernt, eine im Mittel- eine im Hochgebirge und gingen unserer Arbeit nach. Schön.

Ein bißchen fühlte es sich aber wie in Thomas Rosenlöchers Gedicht vom Verlust der Freundschaft an: "...mussten heute ja noch weiter, teils ins Ausland, teils nach Hamburg...". Das traf sogar zu, denn ich flog über Hamburg, Holzklasse mit den Knien an den schon länger werdenden Ohren, quasi direkt ins Büro. Dort hatte ich einen kurzen Auftritt als Weißes Kaninchen, nicht als Miffy, sondern als das von Carroll. Das weint nicht, sondern schaut nur immer wichtig auf die Uhr und sagt dazu in Endlsoschleife: "I´m late, I´m late, for a very important date..."

Heute wird ja viel von Work-Life-Balance gefaselt, so als sei Arbeitszeit irgendwie keine Lebenszeit. Das ist ja nun wirklich Quatsch. Trotzdem geben viele Leute einen Haufen Geld dafür aus, um sich mit verschiedenen, philosophischen, esoterischen oder sportlichen Techniken auszubalancieren, um mehr Gegenwart zu spüren. Doch das bringt nichts außer mehr Terminen. Bei Gegenwartsverlust hilft nur faul sein. Das wissen wir aus Faust, Kapitel 7. Anders aber als im Stück, holt uns nicht der Teufel. Den gibt es nur für die Fundamentalisten. Wir dürfen uns entspannen!

Und dann gähnen wir. Gähnen soll übrigens auf hohe Intelligenz hinweisen. Ich frage mich allerdings, ob es wirklich eine Geste der Entspannung ist, oder eher eine besonders lässige Drohgebärde. Schliesslich zeigt man dabei alle seine Zähne.

[i]dit[/]

18.08.17 Webdesign & CMS U21 Hannover